Kinderschutztag 2022 „Ich habe was zu sagen, was nun?!“

24.01.2023 Felix Grimm

Im Jahr 2022 veranstalteten die Gruppen der Menschen(s)kinder gGmbH erneut ihren jährlichen Kinderschutztag. Auch in diesem Jahr erfolgte der Kinderschutztag gruppenintern und wurde mit regem Interesse vorbereitet und durchgeführt. Das übergeordnete Thema lautete:

 „Ich habe was zu sagen, was nun“

Unter dem Aspekt der Partizipation und den Inhalten des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes, sollte der Kinderschutztag in diesem Jahr genutzt werden, um den Kindern und Jugendlichen in den Einrichtungen eine noch lautere Stimme und viel Raum für ihre Anliegen zu geben.

Mit diesem Grundsatz starteten die Pädagog*innen gemeinsam mit den Klient*innen in die Vorbereitungen der Kinderschutztage. Hier entwickelten sich vielfältige, kreative, gruppenspezifische und altersabhängige Ideen.

Im Folgenden werden Beispiele benannt, wie der Tag in den Gruppen genutzt und gestaltet wurde:

Die Jugendlichen einer Bernauer Schichtdienstgruppe haben sich gemeinsam mit den Pädagog*innen dazu entschieden, eine Fotocollage von ihren Lieblingsplätzen zu erstellen. Dafür hat jede/r seinen/ihren Tag mit einer Kamera begleitet und Fotos von verschiedenen Plätzen gemacht. Diese Collage schmückt nun den Gemeinschaftsraum der Gruppe. Die Jugendlichen sowie die Pädagog*innen konnten dadurch, alle Bewohner*innen der Einrichtung noch besser kennenlernen.

In einer anderen Bernauer Gruppe konnten die Kinder und Jugendlichen verschiedene Arten von Kommunikation in Rollenspielen ausprobieren. Aspekte wie die Lautstärke der Stimme und eine wertschätzende Formulierung wurden erprobt. Es ging an diesem Tag viel um positive Bestärkung, sodass zum Schluss alle Kinder, Jugendlichen und Pädagog*innen sich gegenseitig individuelle Komplimente aufschrieben und diese dann in der gesamten Runde präsentierten. Es war deutlich zu erkennen, dass alle bestärkt aus diesem Tag herausgingen.

In Leipzig erarbeiteten die Kinder und Jugendlichen individuelle Plakate zum diesjährigen Motto des Kinderschutztages. Hierbei wurden keine Vorgaben durch die Pädagog*innen gegeben. Sie arbeiteten in Gruppen und teilten sich selbstständig für die verschiedenen Aufgabenbereiche auf. Anschließend fuhr die gesamte Gruppe in einen Escape-Room. Hier ging es darum, so gut wie möglich, als Gruppe zu agieren und zu kommunizieren, um in maximal 60 Minuten das Rätsel zu lösen. Die Gruppe war sehr stolz, als es ihnen nach 57 Minuten gelang.

Eine weitere Leipziger Gruppe entschied sich für einen gemeinsamen Ausflug. Den Kindern und Jugendlichen wurde das Ziel freigestellt. Zusammen entschied sich die Gruppe für die Fahrt in den Berliner Zoo. Die Kinder und Jugendlichen planten den gesamten Tag. Sie legten das Datum fest, recherchierten Eintrittspreise und suchten eine passende Bahnverbindung heraus. Im Zoo selbst konnten alle ihren individuellen Interessen folgen. Es wurden viele Fotos geschossen. Für die Kinder und Jugendlichen endete der Tag mit einem Abstecher zum Brandenburger Tor, für viele ein Highlight, da sie zum ersten Mal davor standen.

Im Mittelpunkt des Kinderschutztages in Borkwalde standen die Fragen: Wann sage ich etwas? Wie sage ich etwas? Wo sage ich etwas? Wem sage ich etwas? Alle Kinder und Jugendlichen hatten großes Interesse und Spaß daran, sich mit wertschätzender Kommunikation zu beschäftigen. Dies taten sie in verschiedenen Bastelarbeiten, Gesprächsrunden und Fragespielen.

Gleich zwei Gruppen in Eberswalde entschieden sich unabhängig voneinander dafür, einen Kummerkasten für die Gruppe zu bauen und zu gestalten. Die Kinder und Jugendlichen erschufen aus gewöhnlichen Briefkästen, mithilfe von bunten Farben und verschiedenen Werkzeugen, einen Ort um ihre Sorgen, Probleme und Bedürfnisse mitzuteilen. Den meisten fällt es leichter, diese aufzuschreiben statt offen anzusprechen. So können die Pädagog*innen vertrauensvoll und einfühlsam das Gespräch zu den Kindern suchen und gemeinsam mit ihnen Lösungen finden. Die Kummerkästen sind in den Gruppen mittlerweile ein etabliertes Werkzeug des Beschwerdeverfahrens.

Ebenfalls wurde mit den Bewohner*innen ein Beschwerdebogen erarbeitet und es wurden alle wichtigen Kontaktdaten, die im Fall von Sorgen und Beschwerden wichtig sein können, an der Pinnwand in der Gruppe visualisiert und für alle erklärt.

In der Kriseninterventionsstelle verewigten alle Jugendlichen ihren Handabdruck an einer wettergeschützten Wand im Garten. In ihren Handabdruck schrieben sie dann ihre Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft. Es war für alle Teilnehmenden sehr interessant zu erfahren, was in dem jeweils anderen vorgeht und welche Dinge für ihn/sie wichtig sind.

In Brüssow machten sich alle Kinder und Jugendlichen Gedanken dazu, was sie ändern können, um die Gruppensituation zu verbessern und was dazu beiträgt, damit sich alle noch wohler fühlen. Hier einige Beispiele: „Ich möchte gern mutiger werden und sagen, wenn mir jemand wehgetan hat.“; „Wenn jemand das letzte Wort hat, wäre ich gern gelassener und möchte das ignorieren.“; „Ich möchte mehr auf meine Vorbildfunktion achten und weniger dazwischen reden.“

Während der Kinderschutztage 2022 erfuhren die Kinder und Jugendlichen in den verschiedenen Gruppen, dass die eigene Stimme wichtig ist und es sich lohnt, diese auch zu vertreten. Um Wünsche und Ideen in die Realität umzusetzen, benötigt es persönlichen Einsatz und die Bereitschaft, mit anderen zusammenzuarbeiten und gegenseitig auf die Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen.

Alle Gruppen reflektierten die Kinderschutztage durchweg positiv. In vielen Einrichtungen hängen selbstgestaltete Plakate, die das Erlebte zusammenfassen und allen Bewohner*innen ermöglichen, sich immer wieder an die schönen Tage zu erinnern.

So gab es noch sehr viele weitere kreative und spannende Ideen anderer Gruppen, um den Tag gemeinsam zu gestalten, der für alle Teilnehmenden erfolgreich war. Aus pädagogischer Sicht war es ein gut gelungener und für die Klienten*innen ansprechender Kinderschutztag. Jeder konnte sich persönlich einbringen, eigenen Vorlieben und Interessen nachgehen, sowie ein großes Maß an Selbstaktivität zeigen.

Text: M. Fritsche