Kinderschutztag 2021 „Medien und was noch“

29.11.2021 Felix Grimm

In diesem Jahr veranstalteten die Gruppen der „Menschen(s)kinder gGmbH erneut ihren jährlichen Kinderschutztag. Aufgrund der pandemischen Umstände erfolgte der Kinderschutztag auch in diesem Jahr gruppenintern und wurde mit regem Interesse vorbereitet und durchgeführt. Das übergeordnete Thema des diesjährigen Kinderschutztages lautete: 

„Medien und was noch“

Die Teilhabe junger Menschen an der Gesellschaft ist heute von medialer Teilhabe nicht mehr zu trennen. Die Digitalisierung und Mediatisierung sind aus unserer aller Lebenswelt nicht mehr wegzudenken. Somit beeinflussen sie auch kursorisch Kommunikations- und Aushandlungsprozesse und damit den Rahmen, in dem Kinder und Jugendliche ihre altersspezifischen Entwicklungsaufgaben und ihre Identitätsarbeit meistern. So werden auch in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe junge Menschen immer früher mit den Chancen aber auch den Risiken der Medien konfrontiert. Besonders im Bereich „Social Media“ spielen Medien eine wichtige Rolle für unsere uns anvertrauten jungen Menschen und bilden für diese unter anderem Gemeinschaften und Beziehungen ab, durch das Teilen von bestimmten Inhalten. Diese Form der Kommunikation ist für die jungen Menschen, bei einem gesunden Gebrauch, relevant zur Bewältigung bestimmter Entwicklungsaufgaben (Streben nach Autonomie, Gestaltung sozialer Beziehungen sowie die Selbstverwirklichung).

Auch in der Jugendhilfe ist deshalb nicht das Verbot die richtige Herangehensweise beim Thema Medien, sondern die Aufklärung, um eine Chancengleichheit in dem Erlernen und Erleben von Handlungswirksamkeit gewährleisten zu können.

Mit diesem Grundsatz starteten die Pädagog*innen gemeinsam mit den Klient*innen in die Vorbereitungen der Kinderschutztage. Hier entwickelten sich vielfältige, kreative, gruppenspezifische und altersabhängige Ideen zum Motto „Medien und was noch“. Im Folgenden sind nur einige Beispiele benannt, wie der Tag in den Gruppen genutzt und gestaltet wurde.

So wurden zum Beispiel die Intensivgruppe Eberswalde und die EWG Bernau II kreativ unter dem Motto „Partizipation, wir gestalten mit“ unabhängig voneinander in den Tag und gestalteten ihre Aufenthaltsräume neu und sehr individuell. In der Intensivgruppe wurden Fingermalfarben genutzt und jedes Kind/jeder Jugendliche entwarf ein eigenes Bild, ohne Vorgaben der Pädagog*innen. Diese Bilder schmücken nun den Aufenthaltsraum und lassen ihn lebendiger wirken.

In der EWG Bernau II konnten die Kinder und Jugendlichen ihre Schattenkörper an die Wand des Aufenthaltsraumes malen und diese selbst gestalten. Die Räume sollen als zusätzliche Wohlfühloase dienen. Wie auf den Bildern zu erkennen, konnten die Kinder und Jugendlichen ihre Kreativität frei ausleben. Es sind verschiedene Werke entstanden, die dazu führen, dass sich die Klienten noch besser mit dem Aufenthaltsraum identifizieren können. Die Gruppen haben den Tag mit einem gemeinsamen Grillen auf dem Hof ausklingen lassen.

Auch andere Gruppen nutzten den Tag kreativ.

So fuhren die Kinder und Jugendlichen der EWG Eberswalde gemeinsam mit den Pädagog*innen nach Berlin und nahmen an einem interaktiven Workshop zum Thema Alltagsrassismus und Diskriminierung teil. Im Vorfeld kam es in der Gruppe immer wieder zu antisemitischen, rassistischen und ausgrenzenden Bemerkungen, sodass sich die Bewohner*innen gemeinsam mit den Pädagog*innen für diesen Workshop entschieden. Die Kinder und Jugendlichen konnten sich in verschiedenen Aufgaben und Spielen zunächst mit den Themen Identität und Selbstbild auseinandersetzen. Des Weiteren ging es um die Einordnung und die verschiedenen Formen von Rassismus. Die Teilnehmenden nahmen mit Engagement und Freude an dem Workshop teil. Dieser dient nun als Grundlage für regelmäßige Gruppenreflexionen und anknüpfende Projekte zu dieser Thematik.

Auch die EWG Mossestift entschied sich für einen Ausflug nach Berlin, um sich mit unserem diesjährigem Motto auseinanderzusetzen und den Tag aktiv zu nutzen. Passend zu diesem Thema ist die Gruppe ins „Museum für Kommunikation“ gegangen. Diese sammelt, bewahrt, erschließt und vermittelt die unterschiedlichen Facetten der Kommunikation. Während des Ausflugs waren fünf Kinder und vier Erzieher*innen dabei. Es wurde der öffentliche Nahverkehr benutzt, um ins Museum zu gelangen. Im Museum durften sich alle Kinder frei bewegen und mit den Pädagog*innen das Museum erkunden und die Angebote ausprobieren. Es war zu beobachten, dass es allen Beteiligten Spaß gemacht hat. Die Kinder mussten geheime Botschaften entschlüsseln, durften sich als Radioredakteur austesten, Rohrpost mittels Druckluft transportieren und vieles mehr. Es gab sehr viele Facetten der Kommunikation zu entdecken, wie zum Beispiel Briefe, Briefmarken, Postkarten, Postkutschen, Telefonzellen, Handys, Smartphones und Comics.

In der EWG Bernau III wurde der Tag direkt zu der Nutzung von Medien in der Wohngruppe gestaltet. Die elektronische Mediennutzung der Kinder/Jugendlichen in der Wohngruppe ist sehr eintönig. Hauptsächlich werden Spiele gespielt und Musik gehört, sowie Filme geschaut. Hier war das Anliegen, den Kindern/Jugendlichen Alternativen aufzeigen, wie man mit der Nutzung unterschiedlicher elektronischer Medien auch kreativ werden kann. Ziel war es, dass die Kinder/Jugendlichen die Angebote eventuell in ihrer Freizeit selbst weiter ausprobieren und sich damit beschäftigen. Die Stopp‐Mo on App, mit welcher sich am Kinderschutztag beschäftigt wurde, lässt Fantasie und Kreativität keine Grenzen, genauso wie das Fotografieren. Der Kinderschutztag sollte zur Einführung im Umgang mit den Geräten und deren Möglichkeiten genutzt werden.

Die EWG Leipzig II entschied sich, nachdem die Kinder ihre Wünsche zur Gestaltung dieses Tages gesammelt hatten, Diesen mit drei verschiedenen Aktivitäten zu gestalten. Der erste Tag wurde im Leipziger Zoo verbracht. Dieser Ausflug war dem Fotografieren gewidmet. Unsere Klienten*innen wurden mit Kameras oder eigenem Handy ausgestattet und durften die Objekte ihrer Wahl fotografieren. Vorgaben haben wir nicht gemacht. Den zweiten Tag ist die Gruppe auf große Reise in die Filmstudios Babelsberg gegangen. Dies umfasste eine Bahnreise nach Berlin und den Besuch der Studios. Hier erfuhren unsere Klienten*innen Wissenswertes über die Entwicklung des Filmes und konnten diverse Liveshows erleben. Besonders von der Stuntshow waren unsere Klienten*innen hoch begeistert und schossen weitere Fotos. Verschieden Bereiche der Filmstudios luden zu eigener Aktivität ein, was unsere Klienten*innen auch dankend und mit Freude annahmen. Den dritten Teil des Kinderschutztages wurde der Entwicklung, dem Aussortieren und Ordnen der Bilder, sowie der Neugestaltung der Fotorahmen gewidmet. Für die älteren Klienten*innen der WG war dieses nicht mehr ganz so reizvoll und sie nahmen sich hier etwas raus. Die Jüngeren ließen sich hingegen weiterhin gut begeistern und beteiligten sich je nach persönlichen Fähigkeiten.

Die EWG Leipzig I veranstaltete ihren Kinderschutztag auch im Leipziger Zoo und gestalteten eine Fotosafari. Um ihre Eindrücke festhalten zu können nutzten die Kinder unter 12 Jahren eine Digitalkamera und die Kinder über 12 ein Smartphone mit Fotofunktion als Medium. Die Tour führte die Gruppe durch den kompletten Leipziger Zoo, in dem gerade eine Dinosaurierausstellung stattfand. Die Jugendlichen genossen den Ausflug sehr und machten gelegentlich Bilder von den Tieren und viele Fotos von sich und/oder den Anderen. Die 2 Jüngsten hatten sehr viel Spaß und machten begeistert hunderte Fotos von den Tieren, den Gegebenheiten und einander. Aus den dort entstandenen Bildern wurden später die besten Exemplare ausgewählt und dann gemeinsam mit den Kindern ein Plakat daraus gestaltet. Dieses hängt nun in der Wohngruppe, damit die Kinder sich immer an diesen Tag erinnern können.

Die EWG Leipzig IV gestalteten ihren Kinderschutztag am 2.10.2021. Dieser begann mit einer gemütlichen Gesprächsrunde am Mittagstisch zum Thema Medien. Die Kinder und Jugendlichen machten sich gemeinsam mit ihren Pädagog*innen Gedanken zu den Themen: Was sind eigentlich Medien? Woran erkennen wir Medien und was zählt denn alles unter Medien? Nachdem einige Gedanken und Ideen geäußert wurden, kamen alle zu dem Entschluss, dass ein Medium ein vermittelndes Element ist. Ein vermittelndes Element, welches aus Sprache, Zeichen oder Symbolen bestehen kann. Zum Vesper wiederholten alle noch einmal gemeinsam, was Medien sind und woran ich ein Medium erkenne. Nach und nach wurde es allen bewusster, dass nicht nur das TV-Gerät oder das Handy Medien sind, sondern auch die Tafel die in der Küche hängt und als Wochenplaner dient. Anschließend ging die Gruppe durch die Wohnung und überlegte welche Medien sich in der Wohnung befinden und woran wir das Erkennen warum zum Beispiel Hörspiele oder Bücher Medien sind. Die Medien die in der Wohnung entdeckt wurden, markierten alle gemeinsam mit kleinen Kärtchen, die „Das-ist-ein-Medium“ symbolisierten. Nachdem die kleine Entdeckungstour durch die Wohnung erfolgt ist, ist die Gruppe gemeinsam zum Spielplatz gelaufen. Auf dem Weg dorthin konnten alle einige Medien entdecken, zum Beispiel wurde herausgefunden, dass auch Plakate und Schilder Medien sind, da sie Informationen beinhalten. Zum Schluss tobten sich alle gemeinsam auf dem Spielplatz aus.

Am 03.08.2021 fand der Kinderschutztag in der EWG Borkwalde statt. Hierbei wurde das Thema durch eine Schatzsuche spielerisch nähergebracht. Die Klient*innen waren im Alter zwischen 6 und 12 Jahren und somit musste für jedes Alter etwas Interessantes geboten werden. Die Kinder mussten selbst herausfinden, welche Hinweise sie bei der Schatzsuche suchen sollten (Pfeile mit Kreide angemalt und verstreute Sägespäne). Es gab sechs Stationen. Bei jeder Station wurde eine Frage gestellt, die die Kinder beantworten konnten und mit den Pädagog*innen inhaltlich besprochen wurden.

Die Fragen waren:

Station 1: „Was sind Medien?“

Station 2: „Welche Medien kennst du?“

Station 3: „Gibt es gute Seiten an Medien? Welche?“

Station 4: „Gibt es schlechte Seiten an Medien? Welche?“

Station 5: „Worauf musst du achten, wenn du dich mit Medien beschäftigst?“

Station 6: „Was kann man in seiner Freizeit ohne Medien machen?“

Zu jeder Station bekam jedes Kind eine kleine Belohnung, wie Seifenblasen, Capri Sonne, Badekugel, Schokobons etc.  sowie jeder ein farbiges Kärtchen mit jeweils einem Buchstaben drauf. Die Schatzsuche ging durch den Wald und die Wohngegend von Borkwalde. An Station 6 gab es die Abschlussaufgabe. Die zwei großen Kinder bekamen die gesammelten Buchstaben und mussten aus diesen farbig und in Reihenfolge sortiert, Lösungswörter zusammensetzen: Radio, Bücher, Computer, Tablet. Die drei Kleinen bekamen nun einen eigenen Zettel mit Zahlen drauf. Die Zahlen standen für den jeweiligen Buchstaben im Alphabet. Anhand einer Tabelle durften sie nun den dazugehörigen Buchstaben zu der Zahl abmalen. So entstanden drei Wörter: CD, DVD, Buch. Sobald alle Kinder ihre Aufgaben erledigt hatten und jeder verstand, was sie dort legten oder schrieben, bekamen sie ihren Schatz. In diesem waren viele neue Spielsachen zu finden: Federball-Set, Malbücher, neue Stifte, neue Straßenkreide, eine Spielesammlung, Armbänder knoten, Puzzle und weitere Brett-/Karten- oder Outdoorspiele. Die Kinder freuten sich sehr und mussten schnell alles Neue ausprobieren. So waren sie den restlichen Tag super beschäftigt und nutzen diese Spielsachen nun gerne in ihrer Freizeit nach der Schule.

Die EWG Templin I griff das Märchen Rotkäppchen auf und drehte am Kinderschutztag ein Märchen namens „Snapkäppchen“. Thematisch wurde der Umgang mit eigenen Daten in Sozial Media Plattformen aufgegriffen und bearbeitet. Auf lustige, zeitgemäße und altersentsprechende Weise wurde mit allen Beteiligten am Bewusstsein zum sorgfältigen Umgang mit seinen persönlichen Daten geschaffen. Die Kinder und Jugendlichen der Gruppe hatten gemeinsam mit ihren Pädagog*innen sehr viel Spaß beim Entstehen dieses Films. Auf einem nachfolgenden Gruppenabend konnten sich alle den Film gemeinsam ansehen und das Thema nochmals reflektieren.

So gab es noch sehr viele weitere kreative und spannende Ideen anderer Gruppen, um den Tag gemeinsam zu gestalten, der für alle Teilnehmenden erfolgreich war. Aus pädagogischer Sicht war es ein gut gelungener und für die Klienten*innen ansprechender Kinderschutztag. Jeder konnte sich persönlich einbringen, eigenen Vorlieben und Interessen nachgehen, sowie ein großes Maß an Selbstaktivität zeigen.

Text: C. Kalk